Wie macht man die Komplexität von 8 Professuren und 40 Dozenten visuell greifbar? Für das neue Basisjahr der ETH Zürich entwickelte ich eine fluide Identität, die Strenge mit kreativem Experiment vereint – von der radikalen Abstraktion des Logos bis zum modularen Framework für die tägliche Anwendung.

Lehmworkshop Brunnen. Studio Boltshauser, 2022

Lehmworkshop Brunnen. Studio Boltshauser, 2022

Summerschool Brunnen. Studio Boltshauser 2019, Fotografie: Philip Heckhausen

Summerschool Brunnen. Studio Boltshauser 2019, Fotografie: Philip Heckhausen

Der Kontext:
Die Suche nach einer neuen Architekturkultur

Unter der Leitung von Roger Boltshauser wurde ein wegweisendes Modell für das erste Studienjahr entwickelt. Es markiert einen radikalen Neuanfang, der grundlegende Fragen an die Disziplin stellt:

»Was ist Architektur heute? Welche Architekturkultur brauchen wir, um unsere gebaute wie unbebaute Umwelt zu verstehen, neu zu denken und zukunftsfähig zu entwerfen?«

Zitiert aus dem Studio Foundations HS 2025 Semester Reader.

Seminarreise Ukraineworkshop. Studio Boltshauser und Swiss Network Ukraine, FS24

Seminarreise Ukraineworkshop. Studio Boltshauser und Swiss Network Ukraine, FS24

Die gestalterische Herausforderung:
Klarheit in der Vielschichtigkeit für die neue Corporate Identity

Das am D-ARCH der ETH Zürich gegründete „Studio Foundations“ ist ein interdisziplinäres Kraftfeld aus 8 Professuren. Die Aufgabe: Eine visuelle Klammer zu finden, die Ordnung schafft (Klarheit, Transparenz), ohne die individuelle Kreativität der 10 Ateliers einzuschränken.

»Entwerfen ist ein Werkzeug des Denkens, eine Methode, um Ideen zu formen, zu prüfen und weiterzuentwickeln, ein fortwährender Prozess des Erkundens, Fragens, Transformierens und Verwerfens. Der Weg verläuft selten geradlinig, sondern ist ein iteratives Ausloten von Raum, Funktion, Material und Kontext entlang einer noch unbestimmten Idee, oft mehr Ahnung, Gefühl oder Atmosphäre als ein konkretes Ziel. Fehler sind dabei nicht nur unvermeidlich, sondern notwendig, um Neues zu finden und Beliebigkeit zu minimieren.«

Zitiert aus dem Studio Foundations HS 2025 Semester Reader.

Raum und Zeit zum Denken

Studio Foundations Bild Sujet schichten

Das Konzept:
Radikale Reduktion trifft auf serielle Bildwelten

Das auf der ES Klarheit Grotesk basierende Logo nutzt den vorangestellten Punkt nicht als Satzzeichen, sondern als Signal für Relevanz, der frei nach Paul Klee durch analoge und digitale Medien „spazieren geht“. Über 30 individuelle Sujets begleiten die Studierenden als manuell gefertigte, digital veredelte Unikate durch die Semester, wobei Design hier als Lehrmittel statt Selbstzweck fungiert.

Studiofoundations_CD-Manual_Logotype.webp
Studio Foundations CD-Manual Logotype

Studio Foundations Logo

Die Logotype, gesetzt in der ES Klarheit Grotesk Extrabold, spiegelt bereits im Namen den programmatischen Anspruch des Studiengangs wider. Ein markantes, spitz zulaufendes „t“ setzt den typografischen Akzent, während der vorangestellte Punkt die klassische Zeichensetzung zugunsten eines radikal abstrakten Erkennungszeichens auflöst. Frei nach Paul Klee fungiert dieser Punkt als mobiles Signal, das als autarker Begleiter durch analoge und digitale Medien „spaziert“.
In der Anwendung entwickelt das System eine geometrische Eigendynamik: Im Zusammenspiel mit dem folgenden „i“ verschmilzt der Punkt zur Linie und formt aus den Grundelementen die Zahl 10. Diese visuelle Metamorphose wird in der Animation und innerhalb der schuleigenen Bewertungs-App zum zentralen, lebendigen Element der Identität, das akademische Bewertungsprozesse intuitiv strukturiert.

Poster Studio Foundastions

Bildkonzept: Visuelle Impulse als Lehrmittel
Die Grafik fungiert als aktiver Impulsgeber: Über 30 Sujets sind präzise auf die zehn Kernthemen des Studiums abgestimmt. Sie entwickeln sich analog zum Lehrplan – von der Abstraktion von Ur-Strukturen (1. Semester) hin zur Intervention durch menschliche Spuren in der Umwelt (2. Semester).
Dieser Prozess übersetzt manuelle Praxis in ein digital skalierbares System. Das Resultat ist ein flexibles Framework, das die gesamte akademische Kommunikation – von Semesterreadern über Debattenplakate bis zur digitalen Präsenz – konsistent abbildet.

Studio Foundations FS26 Textsammlung Cover

Studio Foundations FS26 Textsammlung

Studio Foundation SemesterFS 2026

Design Governance:
Ein Framework für 8/40/400 Akteure

Ein Corporate Design ist nur so gut wie seine operative Belastbarkeit. Ich habe ein modulares System entwickelt, das die strategischen Vorgaben von 8 Professuren wahrt, von 40 Dozierenden eigenständig kuratiert und von 400 Studierenden als Werkzeug für ihre tägliche Arbeit genutzt wird.
Meine Rolle umfasst die strategische Konzeption sowie die fortlaufende Art Direction und Qualitätskontrolle:
  • Mathematische Logik: Alle Hierarchien leiten sich konsequent vom kleinsten Baustein (dem Fließtext) ab.
  • Tool-Kit: Umfassende Templates für Social Media, Print und digitale Anwendungen sichern die Konsistenz bei maximaler akademischer Freiheit.
Die App-Integration: Interface als Koordinationstool
Um den massiven Output und die komplexen Workflows zu steuern, war ich maßgeblich an der grafischen Entwicklung der studieneigenen Web-App beteiligt. Sie koordiniert Terminierung, Organisation und den gesamten Review-Prozess. Hier wird Grafikdesign zur intuitiven Benutzeroberfläche (UI), die akademische Prozesse nicht nur abbildet, sondern aktiv strukturiert und klärt.

Studio Foundations Web App Tool

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